

Für Günther H.
“Eine Weile stand ich in der großen Halle und ich meinte das ferne Echo von dem was hier gewesen war zu hören. Es war, als hätte etwas namenloses, beharrliches, das immer noch in der Halle vibrierte, diese Hinterlassenschaften gesammelt, hätte alles Seufzen und Murren, das Aufbegehren der Stämme gegen den Schnitt, alle Sehnsüchte und Bitten um eine glückliche Zukunft zu einem dünnen Nebel aus flirrendem Staub verwandelt, der in den Lichtbahnen aus den Rissen im Dach weit oben tanzend herab schwebte. Das Sirren der Sägen überdeckt vom seufzenden Knarzen des verzerrten Kiefernholzes im Dachwerk bei jedem angreifenden Windstoß. Ein Raum angefüllt mit Zeit. Denkmal der Arbeit – Denkmal der Technik.”
Dr. Peter W. Kallen (Institut für Bauforschung und Dekmalpflege)

Das 2,5 Hektar große, historische Sägewerksgelände mit dem aus der Zeit gefallenen Spitznamen „Herbsthausen“, gelegen in dem Städtchen Gartow im östlichen Wendland, hat eine über 150-jährige Geschichte. 1891 ging das Sägewerk aus einer, an gleicher Stelle seit 1865 bestehenden, Holzhandelsgesellschaft hervor. Sein Gründer Johann Christian Georg Herbst und seine Nachfolger August Herbst und Günther Herbst sollten hier bis 2012 ein (mal mehr mal weniger) erfolgreiches Sägewerk leiten. Mit bis zu 5 Gattersägen, bis zu 200 Arbeitern, einer Mühle, einer Tischlerei und einer noch immer sehr gut erhaltenen Dampfmaschine. Herbsthausen leitete das Zeitalter der Industrie in Gartow ein und wurde zusammen mit dem Schloss der Grafen von Bernstorff, der Kirche und dem Rathaus zur gestaltenden Kraft in Gartow. Einige Jahrzehnte versorgte die Dampfmaschine und ein an ihr angeschlossener Gleichstrom-Generator das Sägewerk selbst und zahlreiche umliegende Gebäude mit Strom und Licht. Ein Luxus für die Zeit. Dies Alles angetrieben durch Sägespäne aus eigener Produktion. Pferdeställe wurden in Herbsthausen errichtet. Eine Schlosserei kam hinzu, sowie einige Wohn- und Gesellenhäuser.
2012 gingen Günther Herbst und sein Sägewerk insolvent und eine Zeit des Zitterns und des Zauderns begann. Um eine Zerstückelung des Geländes in viele Baugrundstücke zu verhindern, kaufte 2017 die Samtgemeinde Gartow das Gelände auf und wartete seitdem auf Pioniere und innovative Ideen für eine mögliche Nachnutzung. Im Spätsommer 2022 verliebten wir (die Künstlerfamilie Ritter / Karsthof / Zhong) uns in das eingeschlafene Schätzchen der Industriekultur am letzten Ende der Metropolregion Hamburg.
Wie auf der Flucht verlassen, liegt das Sägewerk nun da. Betritt man die alten, von harter Arbeit, ratternden Maschinen geprägten Hallen, finden sich überall Zeugnisse des letzten Arbeitstages. Liegen gelassene Werkzeuge, Architekturpläne, Modelle und tonnenweise Sägespäne säumen den Weg. Der langjährige Stillstand und die Witterung fügten den Gebäuden teils gravierende Schäden zu. Doch die Revitalisierung des Geländes hat begonnen und nach einem Jahr der Sanierungen kündigen bereits neue Dächer und Fassaden eine hoffnungsvolle Zukunft an.

Für Günther H.
“Eine Weile stand ich in der großen Halle und ich meinte das ferne Echo von dem was hier gewesen war zu hören. Es war, als hätte etwas namenloses, beharrliches, das immer noch in der Halle vibrierte, diese Hinterlassenschaften gesammelt, hätte alles Seufzen und Murren, das Aufbegehren der Stämme gegen den Schnitt, alle Sehnsüchte und Bitten um eine glückliche Zukunft zu einem dünnen Nebel aus flirrendem Staub verwandelt, der in den Lichtbahnen aus den Rissen im Dach weit oben tanzend herab schwebte. Das Sirren der Sägen überdeckt vom seufzenden Knarzen des verzerrten Kiefernholzes im Dachwerk bei jedem angreifenden Windstoß. Ein Raum angefüllt mit Zeit. Denkmal der Arbeit – Denkmal der Technik.”
Dr. Peter W. Kallen (Institut für Bauforschung und Dekmalpflege)

Das 2,5 Hektar große, historische Sägewerksgelände mit dem aus der Zeit gefallenen Spitznamen „Herbsthausen“, gelegen in dem Städtchen Gartow im östlichen Wendland, hat eine über 150-jährige Geschichte. 1891 ging das Sägewerk aus einer, an gleicher Stelle seit 1865 bestehenden, Holzhandelsgesellschaft hervor. Sein Gründer Johann Christian Georg Herbst und seine Nachfolger August Herbst und Günther Herbst sollten hier bis 2012 ein (mal mehr mal weniger) erfolgreiches Sägewerk leiten. Mit bis zu 5 Gattersägen, bis zu 200 Arbeitern, einer Mühle, einer Tischlerei und einer noch immer sehr gut erhaltenen Dampfmaschine. Herbsthausen leitete das Zeitalter der Industrie in Gartow ein und wurde zusammen mit dem Schloss der Grafen von Bernstorff, der Kirche und dem Rathaus zur gestaltenden Kraft in Gartow. Einige Jahrzehnte versorgte die Dampfmaschine und ein an ihr angeschlossener Gleichstrom-Generator das Sägewerk selbst und zahlreiche umliegende Gebäude mit Strom und Licht. Ein Luxus für die Zeit. Dies Alles angetrieben durch Sägespäne aus eigener Produktion. Pferdeställe wurden in Herbsthausen errichtet. Eine Schlosserei kam hinzu, sowie einige Wohn- und Gesellenhäuser.
2012 gingen Günther Herbst und sein Sägewerk insolvent und eine Zeit des Zitterns und des Zauderns begann. Um eine Zerstückelung des Geländes in viele Baugrundstücke zu verhindern, kaufte 2017 die Samtgemeinde Gartow das Gelände auf und wartete seitdem auf Pioniere und innovative Ideen für eine mögliche Nachnutzung. Im Spätsommer 2022 verliebten wir (die Künstlerfamilie Ritter / Karsthof / Zhong) uns in das eingeschlafene Schätzchen der Industriekultur am letzten Ende der Metropolregion Hamburg.
Wie auf der Flucht verlassen, liegt das Sägewerk nun da. Betritt man die alten, von harter Arbeit, ratternden Maschinen geprägten Hallen, finden sich überall Zeugnisse des letzten Arbeitstages. Liegen gelassene Werkzeuge, Architekturpläne, Modelle und tonnenweise Sägespäne säumen den Weg. Der langjährige Stillstand und die Witterung fügten den Gebäuden teils gravierende Schäden zu. Doch die Revitalisierung des Geländes hat begonnen und nach einem Jahr der Sanierungen kündigen bereits neue Dächer und Fassaden eine hoffnungsvolle Zukunft an.